Wiener Menage Wiener Ménage Ein Caféhaus – ein Kellner richtet alles her, deckt die Tische ein, wirbelt herum. Ein erster Gast, der »Spießer«, betritt das Café, buhlt fordernd um die Aufmerksamkeit des Kellners. Weitere Personen betreten das Lokal und sofort ergeben sich bewusste und unbewusste Dreiecksbeziehungen zwischen den Menschen. Alsbald beginnt sich ein Karussell aus verschiedensten Ménages-à-trois in Gang zu setzen, in denen eben jener Spießer den Dreh- und Angelpunkt bildet. Was er nicht ahnt – der Kellner, eine mephistohafte Figur, ist es, der den Protagonisten nach und nach in all seinen Vorurteilen und seiner sehr zweifelhaften Weltsicht entlarvt. Er konstruiert rund um den »Spießer« fast genüsslich immer neue Dreierkonstellationen.

Jede der Verbindungen ist anders, stets unberechenbar und zunehmend werden sie dem Protagonisten unangenehm, provozieren ihn sogar. Die Dreieckssituationen verdichten sich und dehnen die Grenzen dessen, was für den Spießer tolerierbar ist, empfindlich aus. Erst zum Schluss gelingt ihm ein fraglicher Befreiungsschlag aus den dicht verstrickten, sich überlagernden Ménages-à-trois, durch den er schließlich sein Gesicht verliert. Er bleibt alleine mit dem Kellner zurück und versucht über einem Stück Gugelhupf die Schranken seiner Weltanschauung zurechtzurücken.

Zu Beginn des Stücks blickt der Zuschauende durch die Augen des Protagonisten auf die Ereignisse und Dreiecksverbindungen, die sich um ihn herum ergeben. Mehr und mehr allerdings tritt das Publikum aus seiner Sichtweise heraus, lässt den fremden Blickwinkel hinter sich und ein Hinterfragen Hauptfigur beginnt. Deren streitbare Verhaltensweisen und Handlungen entzünden sich stets innerhalb der und an den Dreierkonstellationen, die ihm der Kellner serviert. Passt seine Weltsicht mit unseren moralischen Vorstellungen zusammen?

Komponist und Librettist Carl Tertio Druml, Regisseur Nils Braun und Dramaturgin Christin Hagemann stellen sich in »Wiener Ménage« der Frage nach Dreiecksbeziehungen. Sie durchleuchten den Themenkomplex in Bezug auf die generellen strukturellen Vielfältigkeiten von Ménages-à-trois, ihre verschiedenen immanenten Wirkmechanismen und ihre Auswirkungen auf Menschen, die durch eine solche Dreiecksverbindung verbunden sind.
close von Carl Tertio Druml Besetzung:
Komposition: Carl Tertio Druml
Regie: Nils Braun
Dramaturgie: Christin Hagemann
Regieassistenz: Lara Yilmaz

Musikalische Leitung: Jonas Ehrler, Felix Mildenberger
Ausstattung: Sang Hwa Park, Pia Preuß, Matthias Rieker
Kulturmanagement: Sven Jenkel, Marie-Louise Stille

Gesang: Ekaterina Aleksandrova, Merle Bader, Florian Conze, Harald Hieronymus Hein

Ensemble Modern
© Hansjörg Rindsberg Libretto »Wiener Ménage« (pdf)
Kontext Der Festakt 2019 der Akademie Musiktheater heute (AMH) findet in Kooperation mit dem Ensemble Modern und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt statt.

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