interview pia Drei Fragen an Pia Preuß Gibt es im Kostümbild konzeptuelle Elemente, die sich durchziehen, transformieren oder gebrochen werden?
Das war zu Beginn eine Überlegung, aber da alle drei Regisseurinnen und Regisseure so unterschiedliche Ansätze hatten, habe ich für jede der drei Inszenierungen ein eigenes Kostümbild entwickelt, weshalb hauptsächlich meine Handschrift ein durchgängiges Element bildet. Gerade bei den ersten beiden Stücken, »Lilith« und »Wiener Ménage« zieht sich eine monochrome Farbgebung durch, bei »Lilith« habe ich vor allem in Grau- und Silbertönen gearbeitet, bei »Wiener Ménage« in Beigetönen. Bei »A Safe and Special Place« wird es dann sehr bunt, die Farbnuancen haben aber auch hier einen Wiedererkennungswert.

Es passiert natürlich automatisch, dass die Charaktere über die Stücke hinaus aufeinander »abfärben« können, aber wenn das nicht gewollt ist, dann arbeite ich dem entgegen. Merle Bader hat in allen drei Stücken einen sehr unterschiedlichen Charakter und das sieht man dann auch in den Kostümen. Bei Harald Hieronymus Hein, der in allen drei Stücken einen ähnlichen Charakter hat, zieht sich in seinen Kostümen durchaus auch ein gemeinsamer Stil durch, den alle drei Charaktere hergeben. Dennoch ist bei ihm der Kontrast vom ersten bis zum dritten Stück groß.

Wie gestaltet sich die Arbeit mit drei künstlerischen Teams? Ist es ein Job oder sind es drei Jobs?
Die künstlerischen Positionen des Abends sind so verschieden, dass es eher drei Jobs sind. Ich mache also drei Kostümbilder, bei denen ich aber zumindest technisch immer den ganzen Abend mitdenke – Umzüge, technische Abläufe etc.

Durch diese konzentrierte Arbeit mit drei Regisseurinnen und Regisseuren habe ich natürlich auch drei extrem unterschiedliche Arbeitsweisen kennengelernt und drei Modi, in denen ich selbst arbeite. Teilweise wurde alles gemeinsam in vielen Diskussionen und Entwürfen entwickelt und mal hatte ich ziemlich freie Hand. Als Kostümbildnerin sehe ich meinen Job nicht in erster Linie im Einkaufen nach gegebenen Vorstellungen, sondern ich beziehe eine künstlerische Position. Und das hat beim »Ménage-à-trois«-Projekt großen Spaß gemacht!

Die Fragen stellte Jim Igor Kallenberg.
close Pia Preuß
Für »Ménage-à-trois« entwickelte sie das Kostümbild. Sie ist gelernte Modeschneiderin und absolviert derzeit einen Master in Kostümbild an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Zur Biografie
© Hansjörg Rindsberg v. l. n. r. Kostümbild Bettlerin für »Wiener Ménage«, Kostümbild Agent für »A Safe and Special Place«, Kostümbild Poetin für »A Safe and Special Place« © Pia Preuß
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